Aus guten Ansätzen gemeinsam ein funktionierendes QM-System geschaffen
Ingenieurbüro für Elektrotechnik und Informationstechnologie Müller, Luckenwalde
Diplomingenieur Ronald Hille ist mit der Projekt- Endkontrolle beschäftigt. Er kontrolliert die Projektschritte, die Plausibilität der Gesamtplanung, vorgesehene Zeiten und Kosten. Projektunterlagen, die vom Ingenieurbüro Müller an Auftraggeber übergeben werden, sollen den guten Ruf stets von neuem bestätigen. Ihr Inhalt muss stimmen, die einheitliche Form auf den ersten Blick die Handschrift des Luckenwalder Ingenieurbüros erkennen lassen.
Existenzwichtige Zulassung
Für ein kleines Unternehmen wie das Ingenieurbüro Müller ist Qualität die Existenzgrundlage. "Unser Büro arbeitet nach einem Qualitätsmanagement, das wir selbst entwickelt haben", berichtet Dipl.- Ing. Kurt Müller. "Primär ist es auf die Anforderungen der DIN 14675 für die Planung von Brandmeldeanlagen ausgerichtet. Der Verband der Schadensversicherer fordert, dass nur noch zertifizierte Planungsbüros diese Brandmeldeanlagen projektieren. Und es wäre ein Witz, wenn wir mit unserer jahrelangen Erfahrung plötzlich diese Aufgaben nicht mehr ausführen könnten, weil wir die Zulassung nicht besitzen." Das System ist beim VdS eingereicht, um auch 2007 weiter in dem Bereich tätig werden zu können. Es lehnt sich an die DIN EN ISO 9001:2000 an, wie Kurt Müller erklärt.
Seit 2002 bemüht er sich darum, auch diese Zertifizierung für sein Unternehmen zu erreichen. Dafür setzte er Mathias Franke als Qualitätsbeauftragten ein. Dieser befasste sich autodidaktisch mit der Norm, beschrieb Prozesse und entwarf ein QM-Handbuch. Zertifizierungsreif allerdings war all das nicht. Auch die erheblichen Kosten verhinderten bisher, dass Ernst gemacht werden konnte mit der ISO-Zertifizierung. Für Freiberufler, wie es Projektierungsbüros nun einmal sind, standen in der Vergangenheit Fördermittel nicht zu Verfügung.
Kompetenzrichtlinie traf den Bedarf
All das hat sich mit den Projekten des Arbeitsministeriums innerhalb der Richtlinie zur Kompetenzentwicklung durch Qualifizierung in KMU geändert. Auch für das Ingenieurbüro bot das aktuelle Projekt die Chance, sein QM-System so weiterzuentwickeln, dass die Forderungen der Norm wie der Auftraggeber erfüllt werden. Denn die fragen immer häufiger, ob sie es mit einem zertifizierten Partner zu tun haben. "Einmal kann man sagen, wir bereiten uns darauf vor", meint Kurt Müller. "Beim zweiten Mal muss man das Zertifikat haben – oder kann gehen."
Zur Vorbereitung auf die Zertifizierung wurden innerhalb des RKW-Projekts Schulungen und Weiterbildungen durch das Ingenieurbüro Reinhard Noack aus Frankfurt Oder durchgeführt. "Es gab eine sehr gute Vorarbeit im Unternehmen", schätzt Noack ein. "Die Mitarbeiter sind aufgeschlossen, denn sie wissen, dass der Nachweis eines QM-Systems notwendig ist."
Passfähig und papierlos
Dass in der Projektierung zwingend Prozessschritte vorgegeben sind, erleichtert die Anwendung des QM-Systems im Arbeitsalltag. Vorausgesetzt, es ist passfähig zu dieser Arbeitsweise der Ingenieure gestaltet. QMB Franke, Berater Noack und Geschäftsführer Müller haben gemeinsam dafür gesorgt. Die Instrumente des Systems, Dokumente und Nachweise befinden sich als Dateien auf dem Server. Alle haben Zugriff zur Nutzung, Änderungen darf nur der QMB vornehmen. Die papierlose Arbeit bewährt sich – für Fachleute, die bei ihren Auftraggebern moderne IT-Netze und Datenbankserver projektieren, eine Selbstverständlichkeit.
Letzter Schliff für gewachsene Struktur
Durchdachte Prozesse: Auch bei nur vier Ingenieuren und einer Sekretärin müssen Informationsflüsse und Verantwortlichkeiten geklärt sein. Hier kann Reinhard Noack aus seinen Erfahrungen bei der Unterstützung anderer Ingenieurbüros schöpfen. Aber: "Es bringt nichts, allen ein einmal ausgedachtes System aufzupfropfen", betont er. "Für mich war es einerseits interessant, die schon gewachsene Struktur im Ingenieurbüro Müller kennen zu lernen. Andererseits musste ich mich in diese Herangehensweise erst intensiv und im Detail hinein denken. Erst dann konnten wir in den Schulungen mit dem richtigen Hintergrund über die Normanforderungen sprechen und dem System den letzten Schliff geben." Mehraufwand, der sich jedoch für das Unternehmen auszahlt.
Ende 2006 ist die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2000 vorgesehen. Bis dahin erfolgen noch Anpassungen im QM-Handbuch, in dem sich das gesamte System widerspiegelt. "Anschaulich mit Flussbildern, kurz und knapp, wie es sich immer mehr durchsetzt", wie Berater Reinhard Noack sagt. Kurt Müller und QMB Mathias Franke sind zuversichtlich, dann ein praktikables Hilfsmittel nutzen zu können. Demnächst soll ein weiterer Projektingenieur eingestellt werden. "Der neue Mitarbeiter kann sich dann schnell einarbeiten", davon ist Mathias Franke überzeugt. Denn auch dessen Arbeitsergebnisse sollen möglichst wenig Nacharbeit für Ronald Hille bei der Endkontrolle bedeuten – und für zufriedene Bauherren sorgen.
DAS UNTERNEHMEN
1992 gründete Dipl.-Ing. Kurt Müller das Ingenieurbüro. Geplant werden sämtliche elektrotechnischen Anlagen im Schwach- und Starkstrombereich. Das Ingenieurbüro hat an vielen größeren Vorhaben in Neubau und Sanierung mitgewirkt. Darunter sind der Luckenwalder Biotechnologiepark , die "Flämingtherme", das Werner- Seelenbinder-Stadion, Schulen, der Gewerbehof in Luckenwalde sowie Sportbauten in den Bundesleistungszentren Frankfurt (Oder) und Kienbaum. Für den Flugplatz der Bundeswehr in Holzdorf wurde die komplette Daten-Infrastruktur einschließlich Liegenschaftsbauten projektiert.
Müller
Ingenieurbüro für Elektrotechnik und Informationstechnologie
Puschkinstraße 23
14943 Luckenwalde
Internet: www.ibmu.de
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